Wie viel Leistung braucht dein Modell?
Ausgangspunkt ist die elektrische Eingangsleistung pro Kilogramm Fluggewicht (mit Akku). Der Hersteller E-flite nennt in seinen Motoranleitungen diese Richtwerte, hier in Watt pro Kilogramm umgerechnet:
| Watt pro kg (ca.) | Modelltyp |
|---|---|
| 110–155 | Minimum; leichte Langsamflieger und Parkflyer |
| 155–200 | Trainer, langsame Scale-Modelle |
| 200–240 | Sport-Kunstflug, schnelle Scale-Modelle |
| 240–285 | fortgeschrittener Kunstflug, schnelle Modelle |
| 285–330 | leichte 3D-Modelle, Impeller-Jets |
| ab 330 | unbegrenzter 3D-Kunstflug |
Diese Werte sind Herstellerangaben für Motorflugmodelle und können je nach Modell abweichen. Für Segler nennt E-flite keine Werte – halte dich dort an die Antriebsempfehlung des Modellherstellers. Auch sonst gilt: Hat dein Modell eine Antriebsempfehlung des Herstellers, hat sie Vorrang.
Die vier Bausteine
- Motor: Bürstenlose Außenläufer sind Standard. Wichtig sind die maximale Leistung bzw. der maximale Dauerstrom und die kV-Zahl (Leerlaufdrehzahl pro Volt). Niedrige kV-Zahl heißt: großer Propeller, niedrige Drehzahl – typisch für Trainer und Segler. Hohe kV-Zahl: kleiner Propeller, hohe Drehzahl – typisch für schnelle Modelle. Mehr zu Motorarten im Ratgeber Brushless oder Brushed.
- Propeller: Angegeben als Durchmesser × Steigung in Zoll, etwa 11×7. Die Steigung ist der Weg, den der Propeller bei einer Umdrehung theoretisch zurücklegt. Die meisten Motorhersteller nennen passende Propeller für jede Zellenzahl.
- Akku: Die Zellenzahl (2S, 3S, 4S …) bestimmt die Spannung und damit die Drehzahl. Die Kapazität bestimmt die Flugzeit, die C-Rate, wie viel Strom der Akku dauerhaft liefern kann. Rechnen kannst du das im LiPo-Akku-Rechner.
- Regler (ESC): muss den maximalen Strom des Antriebs dauerhaft vertragen. Der eingebaute BEC versorgt Empfänger und Servos – bei vielen oder kräftigen Servos braucht er genügend Leistung; reicht er nicht, nimmst du ein separates BEC.
Propeller: kleine Änderung, große Wirkung
Die Leistung, die ein Propeller aufnimmt, steigt bei gleicher Form mit der dritten Potenz der Drehzahl und mit der fünften Potenz des Durchmessers. Ein nur ein Zoll größerer Propeller kann den Strom deshalb deutlich erhöhen – und den Motor, den Regler oder den Akku überlasten. Mehr Steigung erhöht in der Regel ebenfalls den Strom.
Die theoretische Fluggeschwindigkeit des Propellers (Pitch-Speed) berechnest du so: Drehzahl pro Minute × Steigung in Zoll × 0,001524 = km/h. Ein Propeller mit 6 Zoll Steigung bei 10.000 U/min kommt auf rund 91 km/h. Das Berechnungsprogramm eCalc empfiehlt mindestens das 2,5-Fache der Abreißgeschwindigkeit deines Modells.
- Höchstdrehzahl beachten: Der Propellerhersteller APC gibt für seine dünnen E-Propeller höchstens 150.000 ÷ Durchmesser in Zoll als Drehzahl an, für Klapppropeller 120.000 ÷ Durchmesser, für Slow-Flyer-Propeller 65.000 ÷ Durchmesser. Ein 10×6E darf also höchstens 15.000 U/min drehen. Andere Hersteller haben eigene Grenzen.
- Klapppropeller sind bei Elektroseglern Standard: Sie klappen im Gleitflug an.
Regler und Akku richtig dimensionieren
- Regler mit Reserve: Die Stromangaben auf Reglern gelten oft nur bei guter Kühlung und Vollgas. eCalc empfiehlt als Faustregel 20 % Reserve bei schlechter Kühlung, 40 % wenn der Regler nur durch Konvektion gekühlt wird, und 20 % zusätzlich bei viel Teillast.
- Akku-Belastung: Maximaler Strom ÷ Kapazität in Ah = benötigte C-Rate. Ein 3S-Akku mit 2200 mAh bei 40 A muss also mindestens 18C dauerhaft liefern; mit Reserve besser deutlich mehr.
- Schub-Gewichts-Verhältnis: eCalc bewertet einen Standschub ab 80 % des Gewichts als sportlich, 40 bis 80 % als fliegbar. Darunter ist das Modell kaum noch fliegbar.
Beispielrechnung: Trainer mit 1,6 kg
- Fluggewicht 1,6 kg × 155–200 W/kg (Trainer) = etwa 250 bis 320 W Eingangsleistung.
- Mit einem 3S-Akku (rund 11 V unter Last) entspricht das etwa 23 bis 29 A (Leistung ÷ Spannung).
- Motor wählen, der diese Leistung dauerhaft verträgt, mit einem Propeller laut Herstellerempfehlung für 3S.
- Regler mit Reserve: etwa 40 bis 45 A.
- Akku: 3S mit 2200 mAh muss bei 29 A etwa 13C liefern – ein Akku mit 25C oder mehr hat genug Reserve.
- Vor dem Erstflug mit einem Leistungsmessgerät (Wattmeter) bei Vollgas Strom und Leistung messen.
Messen statt raten
Herstellerdaten und Rechner liefern Schätzwerte. Sicherheit bringt erst die Messung: Ein Wattmeter zwischen Akku und Regler zeigt Strom, Spannung und Leistung bei Vollgas. Liegt der Strom über dem Dauerstrom von Motor, Regler oder Akku, nimmst du einen kleineren Propeller. Nach einem Probeflug sollten Motor, Regler und Akku warm, aber nicht heiß sein.
Sicherheit
- Propeller zuletzt: erst montieren, wenn die Drehrichtung geprüft ist, und bei allen Arbeiten am Antrieb wieder abnehmen.
- Failsafe auf Gas aus: Bei Signalverlust muss der Motor stoppen. Bei vielen Empfängern wird die Failsafe-Position beim Binden gespeichert – Gasknüppel dabei ganz unten (Motor aus). Prüfe es mit abgenommenem Propeller, indem du den Sender ausschaltest.
- Scharf schalten erst am Startplatz: Ein angeschlossener Akku heißt: Der Propeller kann jederzeit anlaufen.