Selbstbau

GPS Rescue in Betaflight einrichten: Rückkehr bei Signalverlust

Reißt die Funkverbindung ab, fällt ein FPV-Kopter mit Standard-Failsafe einfach herunter. Mit einem GPS-Modul und GPS Rescue kann Betaflight ihn stattdessen zurückfliegen und landen lassen. Das rettet manchen Kopter bei Weitflügen – funktioniert aber nur, wenn es sauber eingerichtet und getestet ist.

Dieser Ratgeber baut auf dem Betaflight-Einstieg auf und gilt für Betaflight 4.4 und neuer. Parameternamen können sich mit neuen Versionen ändern; maßgeblich ist der offizielle GPS-Rescue-Leitfaden.

Was GPS Rescue kann – und was nicht

  • Kann: bei Signalverlust oder per Schalter steigen, sich zum Startpunkt drehen, zurückfliegen, sinken und landen.
  • Kann nicht: Hindernissen ausweichen. Bäume, Masten oder Gebäude auf dem Rückweg sieht der Kopter nicht.
  • Kein Autopilot: GPS Rescue ist eine Notfallfunktion. Starker Gegenwind, schlechter GPS-Empfang oder falsche Einstellungen können den Rückflug scheitern lassen – selbst die Betaflight-Doku sagt, dass es den Kopter auch bei korrekter Einrichtung nicht immer zurückbringt.
  • Sicherheitsabschaltung: Erkennt Betaflight, dass der Rückflug nicht klappt (der Kopter steigt nicht, kommt nicht voran oder verliert Satelliten), schaltet es nach 10 bis 15 Sekunden ab, bei Auslösung per Schalter nach weiteren 20 Sekunden Schweben. Ein kontrollierter Absturz ist besser als ein Kopter, der davonfliegt.

Die passende Hardware

  • GPS-Modul mit u-blox-Chip: unterstützt sind M6 bis M10, aktuell meist M8 oder M10 (M10 braucht für die automatische Konfiguration Betaflight 4.5 oder neuer). Das Protokoll UBLOX ist Standard; NMEA wird nicht empfohlen.
  • Freier UART am Flight Controller. Das Modul muss gleichzeitig mit dem Flight Controller Strom bekommen.
  • Kompass nicht nötig: Die Doku rät bei kleinen Koptern meist davon ab, weil der Kompass durch Motoren und Strom gestört wird. Betaflight bestimmt die Richtung stattdessen aus der Flugbahn.
  • Barometer hilfreich: Ist eines auf dem Flight Controller, verbessert es die Höhenmessung.
  • Firmware mit GPS: Beim Flashen über die Betaflight App muss GPS in der Firmware enthalten sein.

Montiere das GPS-Modul mit freier Sicht zum Himmel und möglichst weit weg von Videosender, Kabeln und Elektronik – sie können den Empfang stören.

1. GPS anschließen und prüfen

  1. Im Tab Anschlüsse beim UART des GPS-Moduls unter „Sensor-Eingang“ GPS wählen. Empfohlen sind 57600 Baud.
  2. Im Tab Konfiguration die Funktion GPS einschalten. Im Tab GPS das Protokoll UBLOX wählen und die automatische Konfiguration eingeschaltet lassen (bei älteren Versionen stehen beide Einstellungen im Tab Konfiguration).
  3. Draußen mit freier Sicht testen: Im Tab GPS siehst du Satellitenzahl und Fix. Der erste Fix kann einige Minuten dauern.
  4. Die Aktualisierungsrate sollte bei 10 Hz liegen (mindestens 5 Hz), sonst wird der Rückflug ruckelig.

2. Satelliten und Home-Punkt

Betaflight speichert den Home-Punkt beim Scharfschalten. Damit das klappt, braucht das Modul einen 3D-Fix mit genügend Satelliten – standardmäßig mindestens 8, empfohlen sind 10 und mehr. Bei jedem erneuten Scharfschalten wird er neu gesetzt. Solange die Satelliten nicht erreicht sind, lässt sich der Kopter nicht scharf schalten; im OSD bzw. in der App erscheint dann die Sperre „GPS“.

Diese Sperre lässt sich abschalten, das solltest du aber nicht tun: Ohne Home-Punkt kann der Kopter nicht zurückfinden.

Ohne Kompass lernt der Kopter seine Richtung erst im Flug. Flieg nach dem Start einige Sekunden geradeaus mit mindestens etwa 2 m/s. Der Home-Pfeil im OSD sollte nach 5 bis 10 Sekunden (etwa 50 bis 80 m) in die richtige Richtung zeigen. Wenn nicht: landen, Akku ab- und anstecken und neu versuchen.

3. Failsafe auf GPS Rescue stellen

Im Tab Failsafe wählst du in Stufe 2 statt „Drop“ die Prozedur GPS Rescue. Stufe 1 dauert standardmäßig 1,5 Sekunden; stell dort den Angle-Modus und ein Gas ein, bei dem der Kopter etwa schwebt.

EinstellungStandardBedeutung
Höhenmodusmaximale Höhezurück in der höchsten Höhe des Flugs (plus Zuschlag), alternativ feste oder aktuelle Höhe
Zusätzliches Steigen10 mwird beim Modus „maximale Höhe“ draufgerechnet
Feste Rückflughöhe30 mgilt nur beim Modus „feste Höhe“
Rückfluggeschwindigkeit7,5 m/sGeschwindigkeit über Grund
Sinkflug ab20 mEntfernung zum Home-Punkt, ab der der Kopter sinkt
Mindestentfernung15 mnäher am Home-Punkt läuft kein normaler Rückflug
Maximaler Neigungswinkel45°begrenzt die Schräglage beim Rückflug

Rückflughöhe richtig wählen

Die Rückflughöhe muss über allen Hindernissen zwischen dir und dem Kopter liegen – also über Bäumen, Masten und Gebäuden. Gleichzeitig darfst du in der offenen Kategorie nicht höher als 120 m über Grund fliegen. Der Modus „maximale Höhe“ ist ein guter Start, wenn du immer höher als die Hindernisse fliegst; in hügeligem Gelände ist eine feste Höhe oft berechenbarer.

Ist der Kopter bei Signalverlust näher als die Mindestentfernung am Home-Punkt, steigt er laut Betaflight-Doku zuerst und fliegt weg, bis er weit genug entfernt ist – das kann eine beliebige Richtung sein. Ältere Versionen leiten direkt die Landung ein. Sehr nah (unter 5 m) und tief schaltet er ab. Fliege deshalb Tests immer mit genug Abstand.

4. Sicher testen

  1. Freies Gelände mit weichem Untergrund (Wiese), keine Menschen in der Nähe, wenig Wind.
  2. Im Tab „Modi“ den Modus FAILSAFE auf einen eigenen Schalter legen, den du mit keinem anderen Modus teilst. Schalter zurück heißt: sofort wieder volle Kontrolle.
  3. Laut Doku zuerst im Tab Failsafe den Failsafe-Schalter auf „Stufe 2“ und die Prozedur Land stellen. Das Landegas so einstellen, dass der Kopter sanft sinkt, und diesen Wert als Schwebegas übernehmen.
  4. Danach Prozedur GPS Rescue und den Failsafe-Schalter auf „Stufe 1“ stellen – so testest du die echte Kette bei Signalverlust. Mehrfach auslösen, erst nah, dann weiter weg. Beobachte: Steigt er, dreht er richtig, fliegt er zu dir zurück, landet er?
  5. Zusätzlich kannst du den Modus GPS RESCUE auf einen Schalter legen; er startet sofort ohne die Verzögerung von Stufe 1.
  6. Erst wenn alles zuverlässig klappt, einen echten Signalverlust testen: das Sendemodul im Sender deaktivieren, nicht den Sender ausschalten.
  7. Geht etwas schief, nicht panisch abschalten, sondern den Schalter zurücklegen und selbst übernehmen.

Nach einem echten Failsafe erst die Sticks bewegen, wenn das Videobild wieder stabil ist. Zur Übernahme bewegst du Roll oder Nick über die Failsafe-Stick-Schwelle (standardmäßig 30 %).

Recht und Wettbewerbe

Eine Rückkehrfunktion ändert nichts an den Grundregeln: In der offenen Kategorie brauchst du bei FPV mit Brille einen Beobachter, der die Drohne im Blick behält – siehe FPV-Einstieg. Im Modellflugverband gelten eigene Regeln (bis 30 m Höhe ohne Spotter), aber auch dort nicht weiter weg, als du die Drohne mit bloßem Auge sicher steuern könntest. GPS Rescue ist also keine Erlaubnis für Weitflüge außer Sicht.

Der Modellflugverband DMFV erlaubt eine Rückkehrfunktion als Sicherheitssystem, aber keine autonomen Flüge. Bei Rennen nach FAI-Regeln sind Positionsautomatiken und GPS-Halten verboten – mehr dazu im Ratgeber Drohnen-Rennen und Vereine.

Häufige Fragen

Brauche ich für GPS Rescue einen Kompass?

Nein. Betaflight bestimmt die Richtung aus der Flugbahn. Bei kleinen Koptern rät die Doku meist sogar vom Kompass ab, weil er gestört wird.

Wie viele Satelliten braucht GPS Rescue?

Standardmäßig mindestens 8 mit 3D-Fix, sonst lässt sich der Kopter nicht scharf schalten. Empfohlen sind 10 und mehr.

Landet der Kopter bei GPS Rescue selbstständig?

Ja. Er steigt, fliegt zurück, sinkt ab etwa 20 m Entfernung und landet in der Nähe des Home-Punkts. Beim Aufsetzen schaltet er die Motoren ab.

Wie teste ich GPS Rescue sicher?

Mit einem eigenen Schalter für den Modus FAILSAFE, über einer Wiese mit genug Abstand – mit einem Failsafe-Schalter testest du die echte Kette bei Signalverlust. Erst wenn das mehrfach klappt, einen echten Signalverlust testen, indem du das Sendemodul deaktivierst.

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