Du solltest schon im Simulator geübt haben und wissen, welches Videosystem du nutzt – das erklärt der Ratgeber FPV-Einstieg. Was jedes Bauteil macht und worauf es ankommt, steht im Ratgeber FPV-Bauteile erklärt.
Bausatz oder Einzelteile?
| Kompletter Bausatz | Einzelteile | |
|---|---|---|
| Planung | Teile passen garantiert zusammen | du prüfst Maße, Spannung und Anschlüsse selbst |
| Lerneffekt | mittel | hoch |
| Flexibilität | gering | jedes Teil frei wählbar |
| Rechtlich | zählt nicht als Selbstbau (siehe unten) | Selbstbau, wenn du überwiegend selbst baust |
Ein guter Mittelweg für den ersten Bau: Flight Controller und Regler als passender „Stack“ eines Herstellers, Rahmen, Motoren und Kamera einzeln. So stimmen die heikelsten Verbindungen, und du lernst trotzdem jede Komponente kennen.
Teileliste für einen Kopter
- Rahmen (Frame) mit Schrauben und Abstandshaltern
- 4 Motoren passend zu Propellergröße und Akkuspannung
- Flight Controller (FC) – der Bordcomputer mit Lagesensoren
- Regler (ESC), meist als 4-in-1-Regler unter dem Flight Controller
- Empfänger passend zu deinem Sender, zum Beispiel ExpressLRS
- FPV-Kamera und Videosender (VTX) passend zu deiner Brille, bei Digitalsystemen oft als Einheit
- Propeller (mehrere Sätze – sie gehen ständig kaputt)
- Akkustecker und Akkugurt, dazu LiPo-Akkus mit der passenden Zellenzahl
- Kondensator am Akkuanschluss gegen Spannungsspitzen (bei 6S dringend empfohlen); optional GPS für Rückkehrhilfe, Buzzer zum Wiederfinden
Werkzeug
- Lötstation mit regelbarer Temperatur und mehreren Spitzen (fein für Signalkabel, breit für Akkukabel), dazu Lötzinn und Flussmittel
- Sechskant-Schraubendreher in den gängigen kleinen Größen und ein Propellerschlüssel
- Seitenschneider, Abisolierzange, Schrumpfschlauch und Kabelbinder
- Multimeter zum Prüfen auf Kurzschlüsse vor dem ersten Einschalten
- Smoke-Stopper (Kurzschlussschutz für den ersten Start) – kostet wenig und rettet teure Elektronik
- Gut belüfteter Arbeitsplatz, hitzefeste Unterlage und eine Schutzbrille beim Löten
Bauablauf Schritt für Schritt
- Rahmen montieren und prüfen, dass Flight Controller und Regler auf das Lochbild passen.
- Motoren anschrauben. Schrauben dürfen die Wicklungen nicht berühren – zu lange Schrauben zerstören den Motor.
- Motorkabel an den Regler löten, sauber gekürzt und ohne Zug.
- Akkukabel und Kondensator an den Regler löten. Polung doppelt prüfen.
- Flight Controller auf den Regler stecken, Empfänger, Kamera und Videosender nach Anschlussplan des Herstellers verbinden.
- Mit dem Multimeter auf Kurzschluss prüfen, besonders zwischen Plus und Minus am Akkuanschluss.
- Erster Strom nur über den Smoke-Stopper, ohne Propeller. Riecht oder wird etwas warm: sofort trennen.
- Software einrichten: Flight Controller per USB mit der Konfigurationssoftware (meist Betaflight) verbinden, Empfänger binden, Schalter belegen, Motorreihenfolge und Drehrichtung prüfen.
- Failsafe testen (ohne Propeller): Kopter scharf schalten, Sender ausschalten – die Motoren müssen nach kurzer Zeit stoppen.
- Propeller montieren in der richtigen Drehrichtung und erst dann den ersten kurzen Schwebeflug auf freiem Gelände, mit Beobachter.
Teste die Motoren auf dem Basteltisch immer ohne Propeller. Ein FPV-Propeller dreht so schnell, dass er schwere Schnittverletzungen verursachen kann.
Gewicht im Blick behalten
Für die Regeln zählt die Startmasse mit Akku und allem, was mitfliegt – etwa einer Actioncam. Ein Selbstbau unter 250 g hat deutlich weniger Pflichten als ein schwerer Kopter. Wiege deshalb jedes Teil und den Akku und rechne nach, bevor du bestellst – der FPV-Bau-Rechner zeigt dir sofort, ob du unter 250 g bleibst und ob der Schub reicht. Wie lange dein Kopter mit dem gewählten Akku fliegt, schätzt der Flugzeit-Rechner.
Was rechtlich für Selbstbau gilt
Als Selbstbau gilt eine Drohne, die du überwiegend selbst hergestellt hast. Ein kompletter Fertig-Bausatz zählt laut LBA nicht dazu. Wie ein kompletter Bausatz ohne Klassenkennzeichen eingestuft wird, ist amtlich nicht eindeutig geklärt – frag im Zweifel beim LBA nach, bevor du fliegst. Für echte Selbstbauten gilt in der offenen Kategorie:
- In A3 gilt 150 m Abstand zu Wohn-, Gewerbe-, Industrie- und Erholungsgebieten, und du darfst niemanden gefährden.
- Videosender und Empfänger müssen die deutschen Funkregeln einhalten, etwa höchstens 25 mW EIRP für Video auf 5,8 GHz – Details im Ratgeber FPV-Einstieg.
- Welche Regeln für deinen Kopter genau gelten, zeigt der Drohnen-Regel-Check mit der Klasse „selbst gebaut“.
| Selbstbau unter 250 g | Selbstbau ab 250 g (unter 25 kg) | |
|---|---|---|
| Unterkategorie | A1, wenn langsamer als 19 m/s; sonst A3 | A3 |
| Drohnenführerschein | in A1 nicht vorgeschrieben (empfohlen); in A3 Kompetenznachweis A1/A3 | Kompetenznachweis A1/A3 |
| Registrierung beim LBA | ja, wenn eine Kamera oder ein anderer Sensor für personenbezogene Daten an Bord ist – bei FPV also praktisch immer | ja |
| Mindestalter | keins | 16 Jahre (jünger nur unter direkter Aufsicht eines Fernpiloten ab 16 mit Nachweis) |
| Fernidentifizierung (Remote ID) | nicht vorgeschrieben | nicht vorgeschrieben |
| Haftpflichtversicherung | Pflicht | Pflicht |
| FPV mit Brille | nur mit Beobachter neben dir | nur mit Beobachter neben dir |
Tunen und Umbauen: Vorsicht bei Drohnen mit C-Klasse
An einem eigenen Selbstbau darfst du nach Herzenslust tauschen – du musst nur die Regeln für sein neues Gewicht und seine neue Höchstgeschwindigkeit einhalten. Anders bei gekauften Drohnen mit Klassenkennzeichen (C0 bis C4): Nimmst du dort eine Änderung vor, die der Hersteller nicht vorsieht, oder bringst du nicht zugelassenes Zubehör an, verliert die Drohne ihre Klasse. Sie darf dann nicht mehr in der offenen Kategorie fliegen, sondern nur noch in der speziellen Kategorie – in der Regel mit Betriebsgenehmigung des LBA.
Unproblematisch sind Teile, die der Hersteller für das Modell vorsieht, etwa Original-Ersatzpropeller und -akkus. Im Zweifel: in der Anleitung nachsehen, was erlaubt ist.